Data und der Gefühlschip – der Wunsch nach Menschlichkeit

Kennt Ihr Data, den Androiden aus „Star Trek – the next Generation“? Eine der genialsten Serien überhaupt… Voller Tiefe und Humor, gespickt mit Wunschvorstellungen, wie die Welt sein könnte, also absolut sehenswert. Genug der Schwärmerei, dem Ausdruck der Liebe zu dieser Serie, zum Bild, das sie von der Welt zeichnet, zurück zum Thema…

Data ist ein Android, also ein menschlich aussehender Roboter, der von einem genialen Erfinder konstruiert wurde und der nahezu alles kann, außer eines: menschlich sein. Und das ist sein Traum, sein Antrieb zu leben, er möchte menschlich sein. Dazu ist es allerdings nötig Gefühle zu haben und da ist „sein Problem“. Er kann keine Gefühle haben. Das wurde nicht mit in sein Programm aufgenommen, es ist nicht vorgesehen. Seine Programmierung sieht es nicht vor Gefühle zu haben. Das ist der Grund warum er „leidet“, er hat auch eine leicht blasgelbe Gesichtsfarbe und immer etwas nach unten hängende Mundwinkel, also ein Paradebeispiel eines lebensunlustigen Kandidaten wie sie einem im „echten Leben“ auch tausendfach begegnen…

Brent Spiner spielt diesen Charakter absolut glaubwürdig und lebensecht, ein echter Geniestreich. Ein Zusammenspiel von der von Gene Roddenberry erdachten Figur und die schauspielerische Meisterleistung in Kombination zeigen nur wieder einmal wie alles ineinandergreift und wie ein fein abgestimmtes Orchester in Harmonie miteinander spielt.

Datas gibt es mittlerweile viele auf der Welt. Nur ist es diesmal anders herum. Die Menschen laufen mit dem Potential echte Gefühle zu empfinden herum, aber sie nutzen es nicht. Sie haben den Gefühlschip – der im Laufe der Folgen irgendwann auftaucht, der Erfinder von Data hatte ihn noch nicht eingesetzt (http://de.memory-alpha.wikia.com/wiki/Emotionschip ) – sie verwenden ihren bereits vorhandenen Gefühlschip nicht in seinem vollen Potential, sie lassen ihn nur mit einem Viertel der Leistung laufen.

Warum fühlen Mensch nicht ihre wahren Gefühle?

Es ist die Angst, die Angst davor „das alles“ nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Mir ist mittlerweile klar geworden, dass ich nie die Kontrolle hatte, so ist es jetzt sehr einfach mich dem ganzen hinzugeben…
Aber solange der Glaube da ist, etwas kontrollieren zu können, ist eine unbestimmte Angst im System, die einem vorgaukelt, …
dass es nicht so sein kann, …
dass man doch nicht alles zulassen kann, …
dass man doch etwas tun muss, …
dass das Leben doch nun mal kein Kindergeburtstag sei, …
dass man sich doch mal am Riemen reißen muss, …
dass …, dass …, dass …

Habt ihr Euch jemals gefragt, was passiert, wenn ihr das einfach nicht macht?
Oder geschweige denn es ausprobiert?
Ausprobiert exakt den Impulsen, die ihr aus dem Bauch oder aus dem Herzen bekommt nachzugehen, …
den Klos im Hals herunterzuschlucken und genau das auszudrücken, …
das auszuformulieren, dem Gefühlten eine Form zu geben, …
genau dem, was in Euch schwingt und die Welt möchte?

Datas Gefühlschip wurde nach dem Einsetzen Stück für Stück immer aktiver und es wurden immer mehr von den möglichen Gefühlen aktiviert. In der oben verlinkten Folge kam der Humor dazu. Ich finde diese kurze Sequenz auch deshalb so gut, um sich bewusst zu werden, wie wertvoll und wichtig Humor im Zusammenleben ist. Data erkennt die Lustigkeit eines Witzes, den Geordi La Forge vor sieben Jahren gemacht hat und probiert sich aus, in dem er selbst Witze macht. Er lernt im Leben das Leben, indem er selbst Dinge ausprobiert, von denen er einen Einblick bekommen hat, wie es funktionieren könnte. Man kann bei Geordi ablesen, dass er im Moment keinen rechten Sinn für Datas Selbst-Erfahrung hat, weil er ja schließlich etwas Sinnvolles tun will… während Data so tut, als ob er sich mit seinem Tricorder unterhält…

Hier bietet sich eine eingeschobene Zwischen-Geschichte an: Mein Traum war es, wenn ich einmal in Rente gegangen bin, mir einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd, schwarze Krawatte und schwarzen Mantel inklusive schwarzem Gehstock mit silbernem Knauf zu kaufen. So ausgestattet und eingekleidet in vollbesetzten Straßenbahnen und Bussen zu fahren – vorzugsweise zu Hochzeiten, wenn alle Plätze besetzt sind und dann den sitzenden Schülern mit meinem Gehstock gegen das Schienbein zu hauen, wenn sie nicht augenblicklich aufspringen, wenn ich als alter Mann neben ihnen stehe. Ich, … der sein ganzes Leben lang gedient hat, sich krumm und buckelig gearbeitet hat und dann so einer Respektlosigkeit zu begegnen. Dinge, die so einfach nicht hinnehmbar sind…
Wenn ich dann auf meinem wohl verdienten Sitzplatz zur Ruhe komme, packe ich ein aufgeschnittenes Brötchen aus, das ich mir über die Hand ziehe und mit dem ich mich dann über das Leben unterhalte. Der eine Teil von mir, der über das Leben schimpft und der andere, der das Leben genießt. Die beiden Teile die permanent im Inneren um die Aufmerksamkeit kämpfen. Der Teil, der im Widerstand ist zu den aktuell gefühlten Gefühlen (z. B. weil mit Scham, Schuld, Tabu oder Unwohlsein behaftet) oder der Teil der im Einklang ist mit dem Gefühlten.

Schizophrenie, wie sie uns seit unserer Kindheit vorgelebt wird – nicht aus bösem Willen, sondern einfach deshalb, weil es nie hinterfragt wurde – seit unserer frühesten Kindheit wird uns ein zwiegespaltenes Leben vorgelebt und wir glauben, dass es so sein muss. Einfach deshalb, weil wir es nie hinterfragt haben und nie anders ausprobiert haben. Wir haben es nie ausprobiert wie es ist ein Selbst-bestimmtes Leben zu kosten. Einfach mal den ur-eigensten Gefühlen recht zu geben, den eigenen Gefühlen nicht das Misstrauens-Votum auszusprechen, sondern ihnen zu vertrauen, ihnen das Ruder anzuvertrauen. Den Verstand in seine Grenzen zu weisen, um dem Leben (dem Weiblichen) Raum zu geben, damit es sich entfalten kann. Das Bewusstsein (das Männliche) bestimmt die (Aus-)Richtung und lässt dem Leben seinen natürlichen Raum.

Dieser inneren Ausrichtung auch die notwendigen Entscheidungen folgen lassen, damit das, was gefühlt wird auch gelebt werden kann. Natürlich hat das zur Folge, dass sich Dinge im Leben verändern, das bleibt nicht aus…
Das ist auch das, was Angst macht: Veränderung, Verlassen der klassischen Wege, Unbekanntes, Unbewusstes, fehlende Sicherheit, …

Das was führt ist das was gefühlt wird (fühlen – führen). Das Leben weiß, was es tut!

Welcher Weg ist Dein Weg?

Data hat nach einiger Zeit und einigen Schwankungen den Gefühlschip wieder ausgebaut, weil er mit der damit verbundenen Emotionsflut nicht zurechtkam…
Er hat sich für sein altes geregeltes Leben ohne allzu große Aufs und Abs – ein Über-Leben nach klassischen Programmierungen und Mustern entschieden.

Ich habe mich für das Leben – das das Leben von mir möchte – entschieden. Ich bin jetzt in der Scheidungs-Phase und sozusagen in „Früh-Rente“, die Firma ist verkauft, so ist ein kleines Polster da, um „über die Runden zu kommen“ während ich mich dem Schreiben von Texten widme. Ein „Funktionieren“ wie ich es bisher praktiziert habe, ist in dieser Form nicht mehr möglich. Ich bin an den eigens auferlegten Läuterungen gescheitert und habe gesehen, dass dies offenbar nicht die Form des Lebens ist, die zu meiner Wesensnatur – wie sie mir mitgegeben ist – passt.

Und die Möglichkeit mich als „schwarzer Schrecken der Straßenbahn“ auszuprobieren zaubert mir ein kleines Schmunzeln ins Gesicht 😉, obwohl die äußere Erscheinung noch nicht ganz dem entspricht, wie es in meinen Träumen war – ich hatte eher das Aussehen von Cat-Weazel, aber ich „arbeite“ daran und lasse meine Haare wachsen… Mal sehen, ob das Leben den „Thomas, Schrecken der Straßenbahn“-Traum wahr werden lässt oder ob ich für andere Aufgaben zugeteilt bin, so in diesem Sinne:
„Schau mer mol, nouw segn ma scho!“ wie der Franke sagt, was so viel heißt wie „Schauen wir mal, dann werden wir sehen (was passiert)!“ oder wie Jesus sagen würde: „Wahrlich ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Lukas 18:17)“

So werde ich sehen, was passiert, ich werde mich – wie ein Kind seinen Eltern – dem Hingeben, was das Leben mir aufzeigt und mit Freude meinen Dienst tun, mit dem was ich zu geben habe:

  • Texte schreiben, die geschrieben werden wollen
  • Zuhören – in meinem Beisein und Nachfragen zeigen sich die Unbewussten blinden Flecke meiner Mitmenschen von selbst
  • Schutz und Sicherheit geben, damit sich Menschen für ihr Unbewusstes öffnen können
  • Menschlich sein, so sein, wie ich bin

Ein Funktionieren ist im Moment für mich nicht möglich, ob sich das ändert weiß ich nicht. Es ist aber auch unerheblich, denn ich weiß, dass ich geführ/lt werde.

In Liebe

Thomas

3 Antworten auf „Data und der Gefühlschip – der Wunsch nach Menschlichkeit“

  1. „Texte schreiben, die geschrieben werden wollen“? Wie wäre es mit einem freien Shakespeare-Zitat, etwa so: „Erleuchtung oder Blendung? Das ist hier die Frage“ oder alternativ, was bedeutet Karma?

    1. Großzügigkeit
    2. Sinnvolles Verhalten
    3. Geduld
    4. Begeisterte Tat
    5. Meditation
    6. Weisheit

    Viele liebe Grüße, Matthias

    1. Lieber Matthias,

      ich möchte Dich um etwas Geduld für eine adäquate Antwort bitten, die sich bereits schreibt…

      Ich möchte in all meiner Großzügigkeit und Weisheit meine begeisterte Tat des Texte Schreibens erst nach einer ausgiebigen Meditation eine Form geben, damit sich dies in sinnvollem Verhalten äußern kann, unabhängig von Erleuchtung und Verblendung, einfach rein menschlich auf der Ebene auf der wir uns begegnen.

      Liebe Grüße
      Thomas

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