Anfangen ist Bewegung

[…] In einem Dialog mit Sacks erklärt Rose:

Sacks : „Und wie denken Sie einfach an nichts?“

Rose : „Es ist schrecklich einfach, wenn man erst einmal weiß, wie. […] Eine Möglichkeit besteht darin, immer wieder und wieder an dieselbe Sache zu denken. Zum Beispiel 2  =  2  =  2  =  2, oder : Ich bin, was ich bin, was ich bin, was ich bin  … Es ist genau dasselbe mit meinem Zustand. Er führt immer wieder zu sich selbst zurück. Egal, was ich mache oder denke, es führt tiefer und tiefer in sich selbst hinein.“

Ohne symbolische Referenz wird die Erfahrung leer. Es ist nicht nur nichts, es fühlt sich auch an wie nichts. Wenn die Selbstaktivierung endet, hört die Zeit auf. In die Leere gefaltet fühlt die erstarrte Rose keine Verbindung zur Vergangenheit. Um die Vergangenheit zu fühlen, müsste diese aktiviert werden; sie müsste neue Gedanken denken. Doch genau das kann sie nicht. Sie kann immer wieder nur die Absolutheit ihrer Trägheit denken und fühlen. Die unermessliche Weite der Glattheit umhüllt sie mit einem noch tieferen Nichts, in dem die Sinnesdaten zwar gegenwärtig sind, aber nicht direkt erfahren werden. Prozess ohne Ereignis. […]

 

Kommentar:

Ist dann der einzige Sinn der Erfahrungen uns in den Bereich zu bringen, der es zulässt, zu erkennen, dass es nichts neues zu erkennen gibt?

Vielleicht kann man sich so die Entstehung des Unendlichkeitssymbols vorstellen: Egal ob ich rechts oder links herum gehe, ich komme immer wieder an den Anfangspunkt (der Punkt in der Mitte) zurück, egal wie sehr ich mich bemühe. Genauso könnte ich einen der anderen unendlich vielen Wege gehen, um doch wieder nur zu mir selbst zurückzukehren.

Macht es dann überhaupt Sinn sich zu bewegen? Wenn ich doch sowieso wieder an den Anfangspunkt zurückkehre?

Wenn ich weiß, dass ich sowieso wieder zurückkomme, kann ich mich auch nicht verlaufen, denn ich komme so oder so ans Ziel, das gleichzeitig der Anfang ist.

Der einzige Sinn der Bewegung, des Handelns, des Beginnens ist es selbst…

 

Das Zitat stammt aus dem Buch „Dramaturgien des Anfangens“ von Adam Czirak / Gerko Egert (Hrsg.) und ist im Neofelis Verlag erschienen und kann hier bestellt werden.

Der zitierte Text stammt von Erin Manning

 

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